{"id":260,"date":"2011-01-08T21:15:12","date_gmt":"2011-01-08T19:15:12","guid":{"rendered":"http:\/\/mkb-rechtsanwaelte.de\/blog\/wordpress\/?p=260"},"modified":"2011-01-08T21:15:12","modified_gmt":"2011-01-08T19:15:12","slug":"das-vogel-strauss-prinzip-und-die-ausnahme-von-der-regel","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.mk-rechtsanwaelte.de\/mk\/das-vogel-strauss-prinzip-und-die-ausnahme-von-der-regel\/","title":{"rendered":"Das Vogel-Strauss Prinzip und die Ausnahme von der Regel"},"content":{"rendered":"<p>Als Anwalt besuchen einen h\u00e4ufig Mandanten mit einem Vollstreckungsbescheid, einer Klageschrift oder einem Strafbefehl in der Hand. Schon nach kurzer Zeit ist dabei\u00a0 festzustellen, dass die ganze Angelegenheit bereits fr\u00fcher und vor allem kosteng\u00fcnstiger h\u00e4tte gel\u00f6st werden k\u00f6nnen, aber durch die Unt\u00e4tigkeit des Mandanten oder dessen &#8222;Vogel-Strauss-Taktik&#8220; die Sache erst richtig ins Rollen kam.<\/p>\n<p>Vor kurzem aber hatte ich den ersten Fall, in dem die Vogel-Strauss-Taktik dem Mandanten einen Vorteil einbrachte.<\/p>\n<p>Was war passiert?<\/p>\n<p><!--more-->Dem Mandanten, einem Berufskraftfahrer,\u00a0 wurde vorgeworfen eine Fahrerflucht (<a title=\"\u00a7 142 StGB - Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort\" href=\"http:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/stgb\/__142.html\" target=\"_blank\">\u00a7 142 StGB<\/a>) begangen zu haben. Einziges Beweismittel der Staatsanwaltschaft war eine Knallzeugin, die meinte ein Kennzeichen und einen m\u00e4nnlichen Fahrer in der Dunkelheit erkannt zu haben. Dar\u00fcber hinaus fand sich in der Ermittlungsakte die Angabe eines Mitbewohners, dass das Fahrzeug auf den Mandanten zugelassen war. Eine Untersuchung von Unfallauto oder dem Fahrzeug des Mandanten erfolgte nicht, eine Wahllichtbildvorlage an die Zeugin ebenfalls nicht.<\/p>\n<p>Insgesamt also ein etwas d\u00fcrftiger Tatvorwurf, der mindestens erhebliche weitere Ermittlungen erfordert. Der Mandant wurde zur Vernehmung geladen und reagierte mit der bekannten &#8222;Vogel-Strauss-Taktik&#8220;, also antwortete nicht, ging nicht zur Vernehmung und hoffte, dass die Gefahr vor\u00fcberziehen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Die Polizei machte daraufhin ihren Abschlussbericht und gab die Akte an die Staatsanwaltschaft. Diese beantragte &#8211; aus meiner Sicht eher \u00fcberraschend angesichts der mageren Ermittlungsergebnisse &#8211;\u00a0 einen Strafbefehl beim Amtsgericht. Mit diesem Stand der Mandant dann bei mir vor der T\u00fcr.<\/p>\n<p>Erwartungsgem\u00e4\u00df konnte die Zeugin nicht best\u00e4tigen, dass mein Mandant der Fahrer war, und so wurde mein Mandant nach kurzer Verhandlung freigesprochen.<\/p>\n<p>Was war nun der Unterschied zu anderen Verfahren ?<\/p>\n<p>Durch die &#8222;Vogel-Strauss-Taktik&#8220; hat der Mandant einen Kostenvorteil. H\u00e4tte sich der Mandant bereits im Ermittlungsverfahren bei mir gemeldet, w\u00e4re das Verfahren bei gleicher Beweislage h\u00f6chstwahrscheinlich von der Staatsanwaltschaft nach <a title=\"\u00a7 153 StPO - Einstellung wegen geringer Schuld\" href=\"http:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/stpo\/__153.html\" target=\"_blank\">\u00a7 153 Abs 1 StPO<\/a> oder <a title=\"\u00a7 170 Abs II StPO - Absehen von der Klage\" href=\"http:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/stpo\/__170.html\" target=\"_blank\">\u00a7 170 Abs 2\u00a0 StPO<\/a> eingestellt worden. Nachteil einer solchen Einstellung ist &#8211; soweit der F\u00fchrerschein nicht beschlagnahmt wurde oder der Beschuldigte in Untersuchungshaft war &#8211; die fehlende Kostenerstattung der Rechtsanwaltskosten. Der Mandant w\u00e4re also durch die Einstellung im Ermittlungsverfahren auf den Anwaltskosten sitzen geblieben. Durch den Freispruch im Gerichtsverfahren tr\u00e4gt nun die Staatsanwaltschaft meine Kosten (wobei man immer die dunkle Macht der Kostenbeamten besiegen muss, aber das ist eine andere Geschichte&#8230;.) , so dass der Mandant durch seine Unt\u00e4tigkeitim Endeffekt einen Kostenvorteil hat.<\/p>\n<p>Gl\u00fcck gehabt.<\/p>\n<p>Ich weise aber darauf hin, dass ein derartiges Verhalten kein Vorbild sein kann, denn es geht zumeist nach hinten los. Und eine Verurteilung ist schwieriger aus der Welt zu schaffen als ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Anwalt besuchen einen h\u00e4ufig Mandanten mit einem Vollstreckungsbescheid, einer Klageschrift oder einem Strafbefehl in der Hand. 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