{"id":446,"date":"2012-04-12T23:19:39","date_gmt":"2012-04-12T21:19:39","guid":{"rendered":"http:\/\/mkb-rechtsanwaelte.de\/blog\/wordpress\/?p=446"},"modified":"2012-04-12T23:19:39","modified_gmt":"2012-04-12T21:19:39","slug":"mein-nachbar-kanns-beschworen-der-zeuge-im-zivilprozess","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.mk-rechtsanwaelte.de\/mk\/mein-nachbar-kanns-beschworen-der-zeuge-im-zivilprozess\/","title":{"rendered":"&#8222;Mein Nachbar kann\u00b4s beschw\u00f6ren&#8220; &#8211; der Zeuge im Zivilprozess"},"content":{"rendered":"<p>Der wohl h\u00e4ufigste Satz bei der unabweichlichen Frage nach den Beweismitteln des Mandanten ist:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">&#8220; Ich habe\u00a0 Zeugen, die k\u00f6nnen ALLES beschw\u00f6ren !&#8220;.<\/p>\n<p>Leider reagieren die meisten Anw\u00e4lte auf diesen Satz nicht mit den vom Mandanten erhofften Jubelrufen.<\/p>\n<p>Denn der Zeuge ist &#8211; entgegen der landl\u00e4ufigen Meinung in der Bev\u00f6lkerung &#8211; nur ein &#8222;suboptimales&#8220; Beweismittel.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Es f\u00e4ngt schon damit an, dass der Anwalt nachforschen muss, was der Zeuge <span style=\"text-decoration: underline;\">tats\u00e4chlich<\/span> bezeugen kann.\u00a0 Oftmals werden Personen als Zeugen angeboten, deren Aussage bei Gericht wenig wenn nicht gar nicht weiter hilft, wie zum Beispiel:<\/p>\n<ul>\n<li>Der Knallzeuge &#8211; Der Knallzeuge hat nichts gesehen, er hat nur etwas geh\u00f6rt. Er hat den Aufprall beim Unfall oder den Schuss beim Mordfall geh\u00f6rt. \u00dcber die T\u00e4terschaft kann er oft nichts aussagen, da er nur die Situation einige Sekunden oder Minuten nach dem fraglichen Ereignis gesehen hat. Seine Aussage ist ein Indiz, aber kein Nachweis<\/li>\n<li>Der Zeuge vom &#8222;H\u00f6rensagen&#8220; &#8211; Der Zeuge vom H\u00f6rensagen kann nur bezeugen, dass der M\u00fcller dem Meier erz\u00e4hlt hat dass er dies und jenes gemacht hat, was der Meier dann dem Zeugen erz\u00e4hlt hat. Der Zeuge kann also keine <span style=\"text-decoration: underline;\">eigene Wahrnehmung<\/span> wiedergeben, sondern lediglich die Wahrnehmung eines Dritten. Auch hier gilt die Indizwirkung, aber die ist relativ gering, jeder der einmal &#8222;Stille Post&#8220; gespielt hat, kann die Aussagekraft einer solchen Zeugenaussage einzusch\u00e4tzen&#8230;.<\/li>\n<li>Der &#8222;Mith\u00f6rer&#8220; &#8211; Oft werden auch Zeugen f\u00fcr ein Telefongespr\u00e4ch genannt. Das ist eine Person die bei einem Telefongespr\u00e4ch dabei\u00a0 war, welches eine andere Person gef\u00fchrt hat. F\u00fcr die Aussagen des Gespr\u00e4chspartners kann dieser\u00a0 Zeuge nat\u00fcrlich wenig sagen. Selbst wenn dieser das Gespr\u00e4ch mitgeh\u00f6rt hat ist die Verwertbarkeit der Aussage fraglich, denn ohne Zustimmung des Gespr\u00e4chspartners zum &#8222;mith\u00f6ren&#8220; ist eine solche Verwertbarkeit der Aussage zumindest fragw\u00fcrdig.<\/li>\n<li>Der &#8222;Zeuge ins Blaue hinein&#8220; &#8211; Oftmals werden auch Zeugen genannt, ohne das genaue Beweithema nennen zu k\u00f6nnen, meist mit dem Zusatz &#8222;Der weiss alles!&#8220;. Auf Grund des bestehenden Verbotes des Ausforschungsbeweises ist ein solcher Zeuge ebenfalls eher unbrauchbar (was leider manchen Richter nicht davon abh\u00e4lt trotzdem solche Zeugen zu vernehmen)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Anwalt muss also bereits im Rahmen des Mandats pr\u00fcfen wie &#8222;belastbar&#8220;\u00a0 die angeblichen Zeugenaussagen nach dne obigen Ausf\u00fchrungen\u00a0 sind.<\/p>\n<p>Selbst wenn die Zeugenaussagen f\u00fcr ein Verfahren verwertbar sind, bedeutet dies noch lange nicht, dass diese Zeugen auch vor Gericht aussagen m\u00fcssen. Oftmals rufen Mandanten\u00a0 an und fragen verwundert nach, warum die in der Klageschrift genannten Zeugen nicht zur m\u00fcndlichen Verhandlung geladen werden und ob die Zeugen &#8211; so wie bei Barbara Salisch &#8211; nicht einfach trotzdem kommen sollen.Das bringt jedoch nichts.<\/p>\n<p>Ob Zeugen\u00a0 geh\u00f6rt werden, entscheidet das Gericht. Es werden nur die Zeugen geh\u00f6rt, auf deren Aussage es nach Ansicht des Gerichtes f\u00fcr die Entscheidung des Rechtsstreit ankommt.Daher werden manchmal von 10 benannten Zeugen nur 1 oder 2 Zeugen geladen, da es nach Ansicht des Gerichts nur auf die Tatsachen ankommt, die diese Zeugen beweisen sollen. Die Ladung der relevanten Zeugen erfolgt dann meist durch Beweisbeschluss.<\/p>\n<p>Da der Anwalt aber im Vorfeld nicht genau wissen kann, auf welche Tatsachen und Zeugen es dem Gericht besonders ankommt &#8211; das ist das subjektive Element eines jeden Prozesses &#8211; muss nat\u00fcrlich f\u00fcr jede Tatsache welche eventuell Streitig sein k\u00f6nnte, ein Beweis angeboten werden.\u00a0 Auch wenn es &#8222;nur&#8220; ein Zeuge ist, und man nie genau wissen kann, ob der Zeuge auch tats\u00e4chlich geh\u00f6rt wird.<\/p>\n<p>Selbst wenn der Zeuge geh\u00f6rt wird, muss das Gericht im Rahmen der Verwertung einer Zeugenaussage im Urteil noch Ausf\u00fchrungen zur Glaubhaftigkeit des Zeugen und der Zeugenaussage machen. Daher ist bei einer erfolgten Zeugenaussage noch l\u00e4ngst keine Sicherheit gegeben, dass das Verfahren gewonnen wird, denn ein Gericht kann auch Zeugenaussagen als unglaubw\u00fcrdig werten und eine Klage wegen fehlenden Beweises abweisen.<\/p>\n<p>Daher ist der Zeuge nur das Beweismittel 2. Wahl, Urkunden sind in einem Prozess wesentlich effektiver. Daher der Rat an Alle: Bei allen wichtigen Verienbarungen und Regelungen sollte eine schriftliche Fixierung des Vereinbarten erfolgen.<\/p>\n<p>Dann klappts auch mit der Klage.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der wohl h\u00e4ufigste Satz bei der unabweichlichen Frage nach den Beweismitteln des Mandanten ist: &#8220; Ich habe\u00a0 Zeugen, die k\u00f6nnen ALLES beschw\u00f6ren !&#8220;. Leider reagieren die meisten Anw\u00e4lte auf diesen Satz nicht mit den vom Mandanten erhofften Jubelrufen. Denn der<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1,39],"tags":[458,459,460,461,462,463,464,465,466,467],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.mk-rechtsanwaelte.de\/mk\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/446"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.mk-rechtsanwaelte.de\/mk\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.mk-rechtsanwaelte.de\/mk\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.mk-rechtsanwaelte.de\/mk\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.mk-rechtsanwaelte.de\/mk\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=446"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.mk-rechtsanwaelte.de\/mk\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/446\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.mk-rechtsanwaelte.de\/mk\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=446"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.mk-rechtsanwaelte.de\/mk\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=446"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.mk-rechtsanwaelte.de\/mk\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=446"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}